Wegfall der CEE-Förderblätter für Beleuchtung: ein Wendepunkt für den Markt
Und wenn das eine gute Nachricht für die energetische Sanierung wäre?
Der Wegfall der Förderblätter BAT-EQ-127, IND-BA-116 und BAR-EQ-110 hat viele Marktteilnehmer überrascht. Für manche bedeutet er, dass ein häufig genutztes Förderinstrument abrupt infrage gestellt wird; für andere ist die Entscheidung angesichts des anhaltenden Sanierungsbedarfs schwer nachvollziehbar. Über die unmittelbaren Reaktionen hinaus sollte diese Entwicklung vor allem als klares regulatorisches Signal verstanden werden: Das CEE-System tritt in eine Reifephase ein, in der die Anforderungen steigen und die tatsächliche Wirkung sowie die Zusätzlichkeit wieder im Mittelpunkt stehen.
Über den Autor
Léo PEREZ
Fachreferent für Energieeffizienz und Leiter des Geschäftsbereichs C.G.S. (CLAREO GLOBAL SOLUTION)
bei Clareo Lighting
Die Umrüstung auf LED: von der Innovation zum Marktstandard
Man muss anerkennen: Die Umrüstung auf LED war über mehrere Jahre ein sehr wirksamer Treiber für Energieeinsparungen. Die Maßnahmen ließen sich schnell umsetzen, waren relativ einfach zu begründen und oft wirtschaftlich – nicht zuletzt dank der Förderprämie.
Doch die Lage hat sich verändert. In einem Großteil der Dienstleistungs- und Industriegebäude ist LED keine innovative Lösung mehr: Sie ist zum technischen Standard geworden, teils sogar zur Voraussetzung dafür, ein angemessenes Leistungsniveau zu halten.
Wenn eine Lösung jedoch nahezu überall zum Einsatz kommt, stellt sich für das CEE-System zwangsläufig die zentrale Frage der Zusätzlichkeit. Anders gesagt: Die CEE-Förderung soll Maßnahmen finanzieren, die ohne Anreiz nicht umgesetzt würden, statt Entscheidungen zu fördern, die bereits zum Marktstandard geworden sind.
Fehlentwicklungen, die die Glaubwürdigkeit des Systems geschwächt haben
Wie jedes Anreizsystem konnte auch das CEE-System opportunistische Praktiken begünstigen. Ohne die seriöse Arbeit der meisten Beteiligten infrage zu stellen, haben einige Fehlentwicklungen das Vertrauen in das System geschwächt, insbesondere:
- Eine unpassende Dimensionierung, die sich eher an der „Förderprämie“ als an der „Nutzung“ orientiert;
- Anträge, die vor allem darauf ausgelegt sind, hohe Fallzahlen zu erzielen;
- Geschäftsmodelle, die nahezu ausschließlich von der Förderung abhängen;
- Hoher Vertriebsdruck, manchmal zulasten eines schlüssigen energetischen Gesamtkonzepts.
Vor diesem Hintergrund dient die Entscheidung der Regulierungsbehörde, den Rahmen enger zu fassen, dem Schutz des Systems: Es soll weiterhin tatsächlich transformative Maßnahmen finanzieren können und Mitnahmeeffekte begrenzen.
Was sich wirklich ändert: das Ende des Ansatzes mit nur einer Maßnahme
Es geht nicht nur um den Wegfall von Förderblättern. Die Botschaft reicht tiefer: Energieeffizienz darf nicht länger als Abfolge isolierter Maßnahmen betrachtet werden (etwa „Leuchten austauschen“), sondern muss als ganzheitlicher Ansatz verstanden werden, der auf Nutzung, Leistung und langfristige Wirkung ausgerichtet ist.
Konkret gewinnen stärker strukturierte Ansätze an Bedeutung, etwa:
- Eine fundierte technische Bestandsaufnahme und eine genaue Analyse der Nutzung;
- Die Optimierung der installierten Leistung, der Betriebszeiten und der benötigten Beleuchtungsstärken;
- Die Einbindung von Steuerung, Regelung und, wo sinnvoll, der Abstimmung mit Heizung, Lüftung und Klimatechnik;
- Ein Blick auf die Leistung über die gesamte Nutzungsdauer hinweg (Wartung, Abweichungen, Neukonfiguration, Monitoring);
- Eine Finanzierungsstruktur, die auf messbaren und verlässlichen Einsparungen beruht – und nicht allein auf der Förderprämie.
Das ist anspruchsvoller, entspricht aber auch besser dem ursprünglichen Ziel des CEE-Systems: Investitionen anzustoßen, die den Energieverbrauch langfristig verändern.
Eine natürliche Marktbereinigung … und höhere Anforderungen an die Fachkompetenz
Diese Entwicklung wird unweigerlich Spannungen auslösen, insbesondere bei Akteuren, deren Geschäftsmodell auf hohen Stückzahlen und Standardisierung beruhte. Manche Geschäftsmodelle müssen neu überdacht werden.
Dagegen werden Organisationen gestärkt, die vom Gebäude statt vom Produkt her denken: Sie können einen Standort ganzheitlich analysieren, schlüssige technische Konzepte vorschlagen, die Einhaltung der Vorschriften sicherstellen und die Finanzierung an tatsächlicher Leistung ausrichten.
Fazit: eine anspruchsvolle, aber richtungsweisende Reform
Das CEE-System soll keine Maßnahmen fördern, die ohnehin umgesetzt würden. Es muss ein Instrument zur Anstoßung und Beschleunigung der Energiewende bleiben – mit Anforderungen, die der Tragweite dieser Aufgabe gerecht werden.
Der Wegfall der Förderblätter für Beleuchtung sollte daher nicht als Sanktion gegen eine Branche verstanden werden, sondern als Schritt zur Festigung des Systems: hin zu mehr Robustheit, mehr Glaubwürdigkeit und einer stärkeren Ausrichtung auf die Wirkung.
„Fehlentwicklungen hat es gegeben, und sie haben das Gleichgewicht des Systems belastet. Diese Reform kann auch eine Chance sein: die Energieeffizienz wieder in den Mittelpunkt zu stellen, strukturiert und verantwortungsvoll arbeitende Akteure zu stärken und den Markt von einer Förderprämienlogik hin zu einer Ergebnisorientierung zu entwickeln.“
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